Carte Blanche: Marina Mello

Marian Märki09-30-20263 min. Lesedauer

Marina Mello hat für die Saison 26/27 eine Moods Carte Blanche erhalten. Wer sie ist, wie sie ihre Arbeit beschreibt und was dich an ihren Abenden erwartet, verrät sie im Interview.

Wer bist du und wie hat dich dein Weg zum Musikmachen geführt?
Ich bin Marina Mello, brasilianische Musikerin, Komponistin und Harfenistin, und lebe seit fast zehn Jahren in Zürich. Als Kind begann ich an der Escola de Música de Brasília, wo ich aufgewachsen bin, Harfe zu spielen. Die Harfe war allerdings nicht meine erste Wahl. Eigentlich wollte ich Schlagzeug, Saxofon oder Kontrabass lernen, doch für diese Instrumente gab es nur Wartelistenplätze. Da ich schon damals sehr ungeduldig war, fragte ich, in welcher Instrumentenklasse noch ein Platz frei sei. Die Antwort lautete: Harfe. Und so spiele ich nun, 23 Jahre später, immer noch Harfe.
Wie würdest du deine künstlerische Arbeit beschreiben? Welche Themen, Fragen oder Klangwelten beschäftigen dich aktuell besonders?
Ich habe mein ganzes Leben klassische Musik studiert, zunächst in Brasília und São Paulo, später in Zürich, wo ich einen Master in Musikpädagogik und Performance an der ZHdK absolvierte. Ich habe viel in Orchestern gespielt, war auch solistisch tätig und spiele bis heute klassische Musik, wenn auch nicht mehr so häufig wie früher. Mein Beruf ist für mich sehr wichtig. Deshalb muss das, was ich künstlerisch tue, für mich Sinn ergeben. Mit der Zeit habe ich jedoch gemerkt, dass die Welt der klassischen Musik immer weniger mit meinen eigenen Fragen und Interessen in Resonanz steht. Mich reizt es, Herausforderungen anzunehmen und Grenzen auszuloten. Diese Haltung prägt auch meine künstlerische Arbeit: Wie kann man Musik machen, die sich noch innerhalb bestehender Strukturen bewegt und diese gleichzeitig hinterfragt? Wie bleibt man einem Beruf und einer künstlerischen Praxis treu und bringt dabei dennoch seine eigene, klare Stimme ein?
Was fasziniert dich an deinem Instrument bzw. an deinem künstlerischen Medium? Was macht es für dich einzigartig?
Die Harfe ist ein faszinierendes Instrument, weil sie so viele unterschiedliche Elemente vereint: drei verschiedene Arten von Saiten, eine komplexe Mechanik aus Metall und Holz sowie insgesamt 47 Saiten. Hinzu kommen die vielen unterschiedlichen Harfenformen, etwa die keltische, die barocke oder die gotische Harfe.
Die Möglichkeiten des Spiels sind nahezu endlos, und es gibt ständig Neues zu entdecken. Noch spannender finde ich jedoch die Suche nach dem Unbekannten, das freie Ausleben von Kreativität und die Bereitschaft, auf meinem künstlerischen Weg Risiken einzugehen. Ausserdem interessiert es mich, Erwartungen und Stereotypen zu hinterfragen. Das betrifft nicht nur die Vorstellungen darüber, was eine Harfenistin sein soll, sondern stereotype Bilder ganz allgemein. Oft sind die Dinge eben nicht so, wie man sie sich vorstellt. Warum lassen wir uns nicht viel häufiger überraschen?Du gestaltest eine Carte Blanche: Was erwartet das Publikum an diesen Abenden? Welche Überlegungen standen hinter dem Programm?
Das Publikum darf sich überraschen lassen! Der erste Abend am 8. Oktober ist das Ergebnis von zwei intensiven Probentagen mit Abrupto, bestehend aus Maria Portugal, Mauricio Takara, Carla Boregas und mir. Das Publikum darf sich auf viel Schlagzeug, Perkussion, Elektronik und Harfe freuen. Die Kompositionen befinden sich bereits in Vorbereitung, und ich freue mich sehr auf dieses neue Quartett.
Danach folgt ein wunderbares Festival, das von Luca Koch konzipiert und von uns gemeinsam kuratiert wurde: das Worldbuzzpoem Festival. Es verbindet Spoken Word und improvisierte Musik und bringt grossartige Künstler*innen zusammen.
Zum Abschluss meiner Carte Blanche präsentiere ich am 10. Dezember ein Programm im Moods, das vermutlich zum ersten Mal vollständig der Harfe gewidmet ist. Rhodri Davies und ich werden jeweils ein Soloprogramm spielen und den Abend mit einer gemeinsamen Improvisation abschliessen.
Die Idee hinter meiner Carte Blanche ist es, neue Formationen zu entdecken und Musiker*innen zusammenzubringen, die in dieser Konstellation bisher noch nie gemeinsam gespielt haben.
Was möchtest du dem Publikum für diese Abende mit auf den Weg geben?
Ich hoffe, das Publikum bringt Begeisterung, Kuriosität und Offenheit mit, um etwas Neues zu hören, das sowohl für mich als auch für alle beteiligten Musiker*innen neu ist!

Marina Mellos Carte Blanche im Moods

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    • Abrupto

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    • Mello / Koch

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