Christof Turnherr03-13-20243 min. Lesedauer

Nduduzo Makhathini macht Kunst, die Grenzen überschreitet. In seiner Musik verbindet er nicht nur den Klang Südafrikas mit demjenigen des globalen Nordens. Das Improvisieren ist für ihn eine Art des Zugangs zur Spiritualität, sowohl für den Musiker wie auch für das Publikum.

Seit mehr als zehn Jahren beeindruckt der charismatische Pianist das Publikum auf allen Kontinenten und bei so manchem Auftritt. Zum Beispiel im Sommer 2022 am Festival im schwedischen Küstenstädtchen Ystad, wo er mit seinem Quartett, dem Tenorsaxophonisten Karl-Martin Almqvist, dem Bassisten Magne Thormodsæter und dem Schlagzeuger Ayanda Sikade, gastierte. Was die vier Musiker aus Süd und Nord von sich gaben, strotzte nur so vor Spielfreude, vor Hingabe an das gemeinsame Musizieren und vor gegenseitiger Empathie – die Mitmusiker schienen von der Energie des Leaders förmlich infiziert. ”Mit diesen Musikern hatte ich 2015 das Album ’Listening to the Ground’ aufgenommen”, erklärte Makhathini gegenüber JAZZ’N’MORE wenige Wochen nach diesem Auftritt im Interview. ”Es ist für mich ein sehr wichtiges Album, denn darin stand erstmals im Zentrum, dass Musik eine Sprache für einen kulturübergreifenden Aktivismus sein kann.”

Musik als Aktivismus

Makhathinis Kompositionen ist anzuhören, dass ihm die soziale Funktion von Musik wichtig und vor allem bewusst ist. Dies hat sicher auch mit seiner Herkunft zu tun. Der Pianist stammt aus uMgungundlovu in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal. Mit 13 Jahren erhielt er – in einem Traum – die Gabe zu helfen und so bezeichnet er sich selbst heute als ”Heiler”. ”Unser Dasein steht in Verbindung mit und ist auch geprägt von einer Ebene, die uns nicht ohne Weiteres zugänglich ist. Wenn wir in unserem Leben an Grenzen stossen – wenn wir persönliche Probleme haben, für die wir keine Lösung finden –, so liegt das nicht selten daran, dass wir nicht das ganze Bild sehen. Oft stehen für uns singulare Aspekte im Vordergrund, die uns blenden und uns die Sicht auf das Gesamtbild verunmöglichen.” Für Makhathini geht es deshalb in solchen Momenten darum, sich vertieft mit dieser möglicherweise schwer zugänglichen Ebene auseinanderzusetzen. In der Musik, speziell in der Improvisation, habe er einen Weg gefunden, diese für sich selbst und für andere zugänglich zu machen. ”Durch die Improvisation begebe ich mich auf einen Weg der Suche mit dem Ziel, klarer zu sehen und dadurch neue Wege zu finden.”

Interkulturelle Verständigung

Makhathini selbst sieht seine Musik in der Tradition der ”spirituellen Musik”. Gleichzeitig aber unterscheide er sich von dieser in Bezug auf die Vehemenz seines Ausdrucks, wie er erklärt: ”Wir leben in einer Zeit der Dringlichkeit. Heilung ist nötig. Es ist darum höchste Zeit, dass wir uns wieder jener Aspekte bewusst werden, die in einer modernen, westlichen Welt verloren gegangen sind. Und wir müssen wieder lernen, sie in unser Leben zu integrieren.”Für Makhathini ist es kein Zufall, dass gerade die Musik aus seiner Heimat dazu beitragen kann, zu sich zurückzufinden, auch für Menschen des Westens. Durch die historischen Katastrophen in Südafrika und den jahrhundertelangen Kampf gegen ein Unrechtsregime sei seine Gesellschaft tiefer als andere von einem Gefühl der ”insistance” geprägt. ”Für uns war es überlebenswichtig, die Verbindung zu unserer eigenen, präkolonialen Geschichte nicht zu verlieren. Zu einer Kultur, in der gerade die Verbindung zum Spirituellen noch gelebt wurde.”Im Jazz hat der Südafrikaner eine passende Sprache gefunden. ”Jazz ist eigentlich nichts anderes als eine Manifestation kollektiver Erinnerung von Unterdrückten. Er ist eine ritualisierte Form der Weigerung zu vergessen.” Makhathinis Jazz ist Musik aus einem Afrika von heute, mit vielen erwarteten Elementen: der zirkulären Form, den strukturellen Motiven, der rhythmischen Komplexität, dem spannenden Fremdtonalen. In diese flicht der Pianist deutlich westliche Elemente, bekannte Melodien und vertraute Harmonien. Scheinbar übergangslos fliessen in seiner Musik fremde Kulturen ineinander und so wird seine Kunst zur effektvollen und gleichzeitig zugänglichen Vermittlerin zwischen den Welten: So schwierig es auch sein mag, sich im Fremden zurechtzufinden, so leicht macht es einem Makhathini, sich ihr hinzugeben und sich in sie fallen zu lassen. Und dadurch vielleicht den Zugang zu einer anderen, einer momentan verschütteten Welt zu finden.Von Christopf Turnherr
Der Beitrag über Nduduzo Makhathini erschien in der Ausgabe März/April Nr.2/2024 des Schweizer Jazz & Blues Magazins JAZZ'N'MORE.
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Musik aus Afrika im Moods

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