Carte Blanche: Tillmann Ostendarp

Brigitta Grimm03-27-20263 min. Lesedauer

Tillmann Ostendarp gehört zu den sechs Künstler*innen, die vom Moods eine Carte Blanche für die Saison 25/26 erhalten haben. Die Carte Blanche wird an herausragende Musiker*innen der Zürcher Jazzszene vergeben und bietet ihnen die Möglichkeit, ihr aktuelles Musikschaffen weiterzuentwickeln und Neues auszuprobieren. Tillmann Ostendarp stellt für seinen zweiten Carte-Blanche-Abend eine aussergewöhnliche Grossformation auf die Bühne. Woher sein Flair für grosse Bands stammt und was uns am 2. April erwarten wird, erfährt ihr hier.

Tillmann Ostendarp ist ein musikalischer Tausendsassa. Ursprünglich studierte er Jazzposaune in Luzern, bewegt sich heute aber genauso zwischen elektronischer Clubmusik, Indiepop und gross angelegten Ensembleprojekten. Als DJ Real Madrid trifft man ihn an Turntables und Synthesizern an, als Sideman bei Faber, Kalabrese oder Domi Chansorn, als Produzent in der Musik von Gina Été oder als eine Hälfte des Duos Skiclub Toggenburg. Und irgendwo dazwischen steht immer die Frage: Was wäre, wenn möglichst viele spannende Musiker*innen aufeinandertreffen?Der musikalische Weg, den Tillmann Ostendarp eingeschlagen hat, war wohl unausweichlich. Seine Mutter ist Chorleiterin, sein Vater Hermann Ostendarp ist ehemaliger Dirigent des führenden Jugendorchesters Il Mosaico. Inzwischen leitet letzterer das Ensemble 25, das im vergangenen Jahr unter anderem mit Nik Bärtsch und Erik Truffaz auftrat.
Bald spielte also Tillmann Ostendarp in der mehrfach ausgezeichneten Big Band der Kantonsschule Wattwil und arrangierte schon als Teenager Stücke für seine neunköpfige Band mit vier Bläsern. Später folgte sein 18-köpfiges Pirmin Baumgartner Orchester (mit sieben Bläsern!), für das er nicht nur komponierte, sondern auch sang und Schlagzeug spielte.
«Aber ich dachte mir: Das geht doch auch mit noch mehr Leuten», erzählt Tillmann Ostendarp rückblickend. Und so entstand das Alle Sterne Orchester, das zeitweise auf über 30 Mitglieder anwuchs. Das Konzept: Die leuchtendsten Sterne des Schweizer Indie-Firnaments finden sich unter der Leitung von Tillmann Ostendarp für zwei Probetage zusammen und spielen am dritten Tag ein Konzert. Die nächste Ausgabe gibt es hoffentlich schon sehr bald.Während der Corona-Pandemie gab es eine Drums-only-Version von Alle Sterne. Das Konzert wurde live aus dem Moods gestreamt und ist hier nachzuschauen:
Tillmann Ostendarps Carte Blanche
Diese Lust an grossdimensionierten Projekten prägt auch seine Carte-Blanche-Abende. Zudem denkt er den Veranstaltungsort gleich mit. Und was passt besser ins Moods als eine Jam-Session und eine Bigband?
Tillmanns toller Jam im Moods
Donnerstag, 12. Februar 2026, 20:30 Uhr
Dieser Abend hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. In einer von Tillmann moderierten Jamsession trafen zahlreiche Musiker*innen wie Matthias Tschopp, Dino Brandão, Evelinn Trouble, Max Kämmerling und Tizia Zimmermann aufeinander – und das in einer Wucht, die man sich nur schwer vorstellen kann.
Tillmanns grosse Band
Donnerstag, 02. April 2026, 20:30 Uhr
Weniger spontan, dafür noch ambitionierter. Am kommenden Donnerstag widmet er sich der grossen Band – er bezeichnet sie aber bewusst nicht als Big Band. Warum? «Es soll anders klingen. Ich will etwas anderes machen als klassischen Big-Band-Sound – sowohl klanglich als auch in der Ausführung», erklärt er. Deshalb habe er auch extra Musiker*innen für seine Band angefragt, die nicht aus diesem Kosmos stammen, sondern eher in der Improvisation zuhause sind. Gefunden hat er 15 Mitmusiker*inne, darunter auch bekannte Moods-Stammgäste wie Arthur Hnatek, Louise Knobil oder auch Florian Weiss. Die Auswahl folgte dabei weniger einem festen Konzept als vielmehr seiner Intuition: Bekannte Gesichter, aber auch neue Begegnungen, also Musiker*innen mit denen er schon länger einmal zusammen arbeiten wollte.
Die Kompositionen, die er für den Abend schreibt, sind wiederum eher als Ausgangspunkt gedacht. «Ich habe keine genaue Vorstellung, wie es am Ende klingen wird», erklärt Tillmann Ostendarp. Vieles werde sich erst in den Proben entwickeln, im Ausprobieren und aufeinander Reagieren. «Es wird eher in Richtung Minimal Music gehen, denke ich.» Es geht weniger um Harmonie im klassischen Sinne, sondern um Textur, Groove und Dynamik. Die Besetzung mit zwei Schlagzeugen und der Hinweis, auch elektronische Modulationen kämen vor, lassen uns vorfreudig wundern.Am Ende lädt dieser Abend vor allem zu neugierigem Zuhören ein. Wer kommt, sollte bereit sein für «viele schöne Sounds», wie Ostendarp sagt. Wie es am Ende also klingen wird, darauf darf man gespannt sein.
Tillmann Ostendarp überrascht immer.

Tillmann Ostendarps Carte Blanche

  • Carte Blanche

    Till Ostendarp

    • Tillmanns toller Jam im Moods

      JazzJazz Modern CreativePop / Rock / Singer / SongwriterModern Creative JazzElectronic JazzPopRockIndie
  • Carte Blanche

    Till Ostendarp

    • Tillmanns Grosse Band

      JazzJazz Modern CreativeContemporary JazzBig Band JazzModern Creative Jazz