Lingam, unsere hauseigene Legende

Marian Märki05-28-20264 min. Lesedauer

Im Moods gaben sich in den vergangenen Jahrzehnten schon viele Legenden die Klinke in die Hand, doch nur eine hat einen Schlüssel: Ganeshalingam Sinnathurai. Eine Würdigung unserer hauseigenen Koryphäe.

Das Moods wurde 1992 gegründet. Zuerst war es im Bahnhofbuffet Selnau, bevor es im Jahr 2000 an seinen heutigen Standort, den Schiffbau, zog. In all diesen Jahren ist vieles passiert. Mehrere Führungswechsel, Konzerte en masse, zig rauschende Feste – die Liste könnte ewig weitergeführt werden. Eine Konstante gab es in dieser Zeit aber immer: den Mann hinter dem Tresen. Ganeshalingam Sinnathurai, kurz Lingam, gehört quasi zum Moods-Inventar. Unser Barchef hat sich nun dazu entschieden, kürzer zu treten und dieses Amt abzugeben, glücklicherweise bleibt er uns als Barkeeper aber immer noch erhalten. Trotzdem finden wir, dass es an der Zeit ist, ihn zu würdigen – und ihn nach seinen schönsten Erinnerungen zu fragen. Im Interview blickt Lingam auf über drei Dekaden Moods zurück.Lieber Lingam, seit über drei Jahrzehnten bist du im Moods hinter der Bar – was bedeutet der Ort für dich?Für mich ist das Moods wie ein zweites Zuhause. Es vergeht kein einziger Tag, an dem ich nicht an das Moods denke. Ich bin einfach unglaublich gerne hier. Ich schätze die Freiheiten, die ich hier habe, und bin tief mit diesem Ort verbunden. Ich hätte es niemals übers Herz gebracht, ganz zu gehen. Ich habe hier so viele schöne Momente erlebt, tolle Kollegen kennengelernt und echte Freundschaften mit Gästen und Stammkunden geschlossen, die ich bis heute noch pflege. Die Geschäftsleitung vom Moods hat sich schon so oft verändert, aber ich bin immer geblieben. Jede neue Leitung hat mir von Anfang an das volle Vertrauen geschenkt, was ich sehr zu schätzen weiss.Was macht denn das Moods für dich zu einem so besonderen Ort?Ganz klar die Atmosphäre! Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, irgendwo anders zu arbeiten. Es ist diese Mischung aus der Musik, dem schummrigen Licht und den Leuten, die einfach spüren, dass dieser Ort eine Seele hat. Wenn die Band spielt, die Bar läuft und alle denselben Vibe teilen, dann ist das pure Magie. Die Stimmung hier ist so speziell und cool, das kann man nirgends auf der Welt ersetzenDu gibst die Barleitung ab, bleibst dem Moods aber weiterhin als Barkeeper erhalten. Warum hängst du den Shaker nicht ganz an den Nagel?Nach so vielen Jahren musste ich jetzt einfach mal einen Schlussstrich ziehen. Die Leitung hat mir extrem viel Spass gemacht, aber mit dem Alter merkt man halt, dass der Job auch stressig ist. Ich habe 30 Jahre lang fast jedes Wochenende durchgearbeitet, da man als Leitung auch einfach die Pflicht hat, präsent zu sein. Jetzt möchte ich die Wochenenden auch mal etwas entspannter angehen und mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Aber ich liebe meine Wurzeln im Moods und stehe einfach unglaublich gern hinter der Bar. Deshalb stand es für mich ausser Frage, dass ich als Barmitarbeiter weitermache.In all den Jahren hinter dem Tresen hast du vieles erlebt. Gibt es einen besonderen Moment, den du nie vergessen wirst?Jein. Im Moods habe ich sowohl von den Gästen als auch von meinen Arbeitskollegen und Vorgesetzten immer sehr viele Komplimente und sogar kleine Geschenke direkt an der Bar erhalten. Das sind Augenblicke, die ich nie vergessen werde. Deshalb kann ich auch nicht den einen schönsten Moment herauspicken. Für mich ist jedes einzelne Kompliment ein ganz besonderer Moment.Aber es gab bestimmt ein spezielles Konzert oder eine Begegnung, oder?Da gibt es unzählige Abende und Begegnungen, die ich nie vergessen werde! Aber ein Moment ist mir besonders geblieben: Ich war total erstaunt, als plötzlich ein tamilischer Schauspieler aus Indien an der Bar stand, den ich sonst nur aus Filmen kannte. Er war für die Ferien in der Schweiz und hat sich einen schönen Abend im Moods gemacht. Ich musste das natürlich sofort meiner Familie erzählen! Wir hatten dann noch ein richtig nettes Gespräch, was extrem cool war.Gibt es auch eine witzige Anekdote, die die gerade in den Sinn kommt?Es war immer wieder lustig. Vor allem bei den Reggae-Nights haben die Gäste oft auf den Tischen getanzt – und wir vom Bar-Team haben dann direkt mitgemacht!Wenn du auf die Jahre im Moods Revue passieren lässt, welche Veränderungen fallen dir auf?Ich habe das Gefühl, dass die jüngere Generation leider nicht mehr ganz so viel Interesse an Jazz hat. Früher waren die Konzerte tagelang im Voraus ausverkauft. Das ist heute leider nicht mehr so oft der Fall. Auch die Entwicklung mit den Smartphones hat das Ganze verändert; man merkt einfach, dass die Leute anders konsumieren. Das finde ich superschade, weil ich persönlich Jazz total cool finde.Zu guter Letzt: Was sollte sich deiner Meinung nach im Moods niemals ändern?An allererster Stelle: ganz klar das Team und dieser familiäre Zusammenhalt! Clubs verändern sich, die Musik wandelt sich, aber das Herz des Moods sind die Menschen, die hier arbeiten und leiten. Dieser Teamgeist, bei dem jeder für den anderen einsteht und man sich blind versteht, ist unbezahlbar. Das sorgt am Ende auch dafür, dass sich die Gäste so wohlfühlen. Aber genauso wichtig ist mir, dass diese gewisse Oldschool-Atmosphäre erhalten bleibt. Dieser nostalgische, gemütliche Vibe, den man spürt, sobald man reinkommt, darf sich niemals ändern.