Der Moods-Team-Rückblick – Teil 2

Marian Märki05-28-202610 min. Lesedauer

Bereits letzte Woche haben einige Moods-Mitarbeiter*innen fleissig in die Tasten gehauen und ihre Konzerthighlights vorgestellt. Doch wie bereits letzte Woche erwähnt: Geschmäcker sind verschieden. Darum haben wir noch mehr Highlights für euch zusammengetragen. Diesmal verraten euch Adrian, Bigi, Dani, Simon, Graziella und Marian ihre Konzerthighlights.

Adrian

Die Saison begann für Adi mit einem Kracher: BaianaSystem in der Aktionshalle der Roten Fabrik. Was die Brasilianer ab Sekunde 1 für eine Show ablieferten, sucht gemäss unserem Booker seines Gleichen. Zudem fand er den Locationwechsel cool: «Ich war zum ersten Mal in der frisch renovierten Aktionshalle und muss sagen, dass der Sound da, schon auch sehr hochwertig ist (fast Moods Niveau ;-)). Und weil die Show auch nicht im Moods war, war ich auch für nichts verantwortlich und konnte mich einfach voll mit der Musik gehen lassen.»
Sein zweites Highlight war eines für die ganze Familie: das Familienkonzert von Los Wemblers. Er findet die Familienkonzerte grundsätzlich sehr rührend: «So viele Menschen, die erst selten Live-Musik erlebt haben und mit gigantischen Augen auf die Bühne starren, wie könnte man da nicht schmelzen? Bei den Wemblers hatten viele Gäste einen peruanischen Hintergrund, einige sind sogar in Iquitos selbst aufgewachsen (wo auch die Band herkommt). Dafür, dass sie einen Teil ihrer Kultur mit ihrem Nachwuchs erleben dürfen, sind viele sehr dankbar, was auch sehr emotional mitgeteilt wird. Ich bin sehr glücklich, dass ich dazu beitragen darf, dies zu ermöglichen und denke gerne daran zurück (wenn mal etwas nicht so rund läuft…).»Sein drittes Highlight ist ein wenig überraschend, da es eigentlich nicht gut begann. Das Konzert des Kalem Ensembles musste beinahe abgesagt werden, da der Sänger dieses Duos an der Grenze abgewiesen wurde und verbrachte seinen Abend in Ausschaffungshaft statt im Moods. «Nach einem Nachmittag voller verzweifelter Anrufe bei der Polizei, beim Migrationsamt, beim serbischen Konsulat und mit diversen Anwälten, mussten wir uns eingestehen, dass gegen staatliche Willkür nichts auszurichten ist», fasst Adi zusammen und ergänzt: «Der Gitarrist entschied sich das Konzert allein durchzuführen und verwandelte den Club in ein singendes Tollhaus. Das Publikum hat mir vorgelebt, dass man auf Ungerechtigkeit mit ausgelassenem Feiern reagieren kann. Diese Reaktion hat mein Vertrauen in die Menschheit gestärkt.»

Dani

Unser Geschäftsführer hat sich bei seinen Highlights auf die Veranstaltungen konzentriert, die ihm in der vergangenen Saison mehr als ein Lächeln schenkten, die ihn die verrückte Welt vergessen liessen und Hoffnung schenkten. Ein solches war das Konzert von Gansch & Roses. Es sei ein wunderschöner Tag mit der Band und ein noch schöneres Konzert mit einem unglaublichen Line-Up und zufriedenen Gästen gewesen. Etwas blieb ihm aber besonders in Erinnerung: «Ein Highlight war die Begegnung mit Florian Petermann, dem Manager von Gansch & Roses. Wir standen auf der Galerie und sahen dem Treiben des Soundcheck zu, während unsere Bäuche das Gitter des Geländers wölbten. Darauf angesprochen meinte er im schönsten Wiener-Dialekt: ‘Das ist, wenn die Russen kommen’, und klopfte sich dabei auf seinen Bauch. Selten musste ich so lachen, wenn ich Abendverantwortung hatte.» Später sagte Thomas Gansch ein Satz, der Dani die ganze Saison über begleitete: «In dieser verrückten Zeit, müssen wir Künstler*innen den Menschen Hoffnung geben».
Danis zweites Highlight war MonoBloco. Monobloco war schon immer ein grosses Fest der Liebe: Freundschaften, die bei den Proben entstanden, Ehen, die zum Klang des Tamburins geschlossen wurden und Kinder, die mit dem Rhythmus der Batucada aufwuchsen. Dieses Feeling spürte er auch während des Konzerts: «Das Leben mit 500 anderen Menschen feiern, zusammen singen und tanzen, obwohl man – oder ich zumindest - die Texte nicht versteht. Die Musik ist eine Universalsprache, die verbindet. Es war einfach ein schöner Abend in guter Gesellschaft.»
Sein letztes Highlight war für Dani eine kleine Zeitreise in seine Jugend auf dem Dancefloor. Dies dank LTJ Bukem. «Bis zum Auftritt von LTJ Bukem habe ich an der Kasse gearbeitet. So viele Gäste haben sich bei mir dafür bedankt, dass er bei uns spielt. Einige haben 20 Jahre auf diese Gelegenheit gewartet. Fast alle waren in meinem Alter und wir haben dann bis zum Morgengrauen durchgetanzt – wie vor 30 Jahren.»

Bigi

Unsere Bookerin Bigi ist für die Carte Blanche verantwortlich, was sich auch in ihren Highlights zeigt – mit einer Ausnahme. «Wer die Schweizer Jazzszene kennt, kennt mein erstes Highlight Hildegard Lernt Fliegen. Höchste Eisenbahn, dass ich die Band mal sehe und – läck! – haben die mich weggeblasen! Mal war ihr Konzert introspektiv, mal energiegeladen, und ihr Witz und ihre Freude zauberte allen ein Lächeln ins Gesicht», schreibt sie dazu. Zudem würden diese tollen Musiker zeigen, dass man sich selbst nicht immer so ernst nehmen müsse.
Das zweite Bigi-Highlight ist der Carte-Blanche-Abend von yuniya edi kwon & Holland Andrews. Die beiden Künstler*innen präsentierten ihre sich im Entstehen befinde Oper «How does it feel to look at nothing» – wobei diese eine filigrane, durchgehende Improvisation aus Stimme, Elektronik, Perkussion und Violine ist – und rührten Bigi zu Tränen. Wie schön es war, ist auf diesem Bild von unserem Member Michael (Insta: @vnv__stage) gut zu sehen.
Auch ihr Bigis letztes Highlight ist eine Carte Blanche: der erste Abend von Tillmann Ostendarp, der als Jam gestaltete war. Bigi fasst dies so zusammen: «An diesem Abend waren mehr Zürcher Musiklegenden zugegen als an einem Konzert des Zürich Jazz Orchestra. Tillmann leitete den Jam wie ein Alchemist, der Tinkturen, Zaubertränke und Kräuter zu einem explosiven Wundertrank mixt. Es gab so viele magische Momente!»

Simon

Unser Marketingleiter ist schon seit langem ein grosser Fan von Muriel Grossmann und kauft jede Platte, die sie rausbringt. Und das sind nicht wenige. Er hat sich sehr für sie eingesetzt: «Ich habe sie unserem Booking vor über 2 Jahren empfohlen, 2025 hatte es endlich geklappt. Beim Soundcheck war ich plötzlich etwas verunsichert, es klang alles sehr wild und frei. Das kann bei Muriel durchaus sein, aber so hatte ich es nicht erwartet. Und schliesslich hatte ich so ja noch nie live gesehen oder gehört. Das Konzert war dann aber grossartig und mit vielen ruhigen Passagen nach solitischen Höhenflügen.» Ich werde weiterhin jede neue Platte von Muriel kaufen und sie so unterstützen. Sie ist einfach fantastisch!»
Simons zweites Highlight war Jaubi. «Irgendwie kommt mir der Name bekannt vor, dachte ich, als ich den Namen im Programm las. Und tatsächlich habe ich eine LP in meiner Sammlung gefunden. Hatte sie aber noch gar nie richtig gehört. Auch spielen sie in einer anderen Besetzung», erzählt er. Aber der Name sei bei Ihnen Programm: «Jaubi (Dscha-bi) ist ein Urdu-Wort und bedeutet frei übersetzt «was/wer auch immer». Und das beschreibt die Band aus Lahore ziemlich gut. Ihr Leitprinzip ist nämlich: Was immer gut klingt und sich gut anfühlt, das wird gemacht. Immer wieder ziehen sie andere Musiker*innen in ihren kreativen Prozess mit ein. Genau das zeichnet die Band aus: Inter-Nationalität, Kreativität und die Fähigkeit, sich auf andere einzulassen.» Dies sei auch an diesem Abend spürbar gewesen. Auch dank dem herausragenden Tablaspieler Kashif Ali Dhani sowie Zohaib Hassan Khan an der Sarangi, ein traditionelles Streichinstrument aus Pakistan, welches Simon zu Tränen gerührt hat. Simons letztes Highlight ist sein absolutes Lieblingskonzert der Saison, oder wie er es nennt: «Einfach grossartig.» Die Rede ist von Chip Wickham. «Er ist ebenfalls ein Künstler, den ich schon lange verfolge und alle seine LP’s in meiner Sammlung habe. Auch hier hat es mehr als zwei Jahre gedauert, bis es endlich mit einem Auftritt im Moods klappte. Einen herzlichen Dank an unser Booking-Team für ihre Hartnäckigkeit.» Auch unser Geschäftsführer Dani wurde von Simon mit dem Wickham-Virus angesteckt. Er war der Host an diesem Konzert und dankte Simon persönlich bei seiner Ansage des Konzerts für den Tipp und freute sich ebenfalls, dass es endlich geklappt hat. Simon sagt dazu: «Natürlich kannte mich nachher das ganze Moods und Chip wollte mich unbedingt kennenlernen und sich bei mir bedanken. Also plaudertet ich nach dem Konzert lange mit Chip und seinen Mitmusikern bis in die frühen Morgenstunden. Ah, da fällt mir gerade ein, er hatte mich noch auf eine seiner ersten Songs hingewiesen, welcher auf einer Single erschienen ist, und die fehlt mir noch in meiner Sammlung!»

Graziella

Unsere Personalverantwortliche war begeistert von Jowee Omicil. Laut Graziella ist er der einzige Künstler, der auf der Bühne «Yolo» sagen kann, so dass es cool und nicht peinlich wirkt. Seine Musik bedeute für sie pure Freiheit auf der Bühne. Das Konzert sei eine Wanderung durch den Kosmos gewesen.Ebenfalls gute Erinnerung hat sie an das Konzert von Vincent Peirani: «Er und seine Band, die sehr stark besetzt war, lieferten eine super Show. Ich arbeite ab und zu im bee-flat in Bern und wie es der Zufall so wollte, durfte ich sie tags darauf gleich nochmals sehen. Auch diese Show war gut, aber ich merkte, dass im Moods eine intimere Atmosphäre herrschte, was ich sehr schätze.»Ein besonderes Highlight war für Graziella eines, dass nicht in unserem Programm zu finden ist: die Schulkonzerte in Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich. «Seit dieser Saison können uns Sekundarschulklassen während der Schulzeit für ein speziell für sie organisiertes Konzert inklusive einer Führung durchs Moods besuchen und so hinter die Kulissen blicken», erklärt sie. Das Konzept sei bewusst simpel gehalten, damit es ein echtes Live-Musik-Erlebnis ist. Dabei zeigt sich, dass die Schulklassen wohl das härteste Publikum sind, das man haben kann: «Ihre Begeisterung muss man sich verdienen. Umso schöner ist es für mich zu sehen, wie sich anfängliche Zurückhaltung plötzlich zu Mitklatschen, Mitsingen oder ehrlicher Neugier entwickelt.» Gerade Künstler*innen wie Alina Amuri und Knackeboul hätten eindrücklich gezeigt, wie nahbar und inspirierend Schweizer Musik sein könne. «Wenn Jugendliche merken, dass die Musik, die sie feiern und selbst hören, von Menschen aus ihrer eigenen Lebensrealität gemacht wird, entsteht etwas Besonderes», schwärmt sie.

Marian

Zu guter Letzt teile ich auch noch meine Highlights mit euch. Mein erstes Highlight war gleich zu Beginn der Saison, nämlich das Konzert der lebenden Legende Bob James. Der Pate des Smooth Jazz ist nicht nur musikalisch top, sondern auch menschlich. Die Freude, die er am Musizieren mit seiner jungen Band hatte, war ansteckend. Alle waren begeistert, aber vielleicht war er es am meisten. Ein Zitat seiner Ansprache ist mir hängen geblieben: «Musik hält jung.» Und wenn man ihm beim Spielen sieht, kann man das nur bestätigen. Zudem war sein Drummer, James Adkins, eine absolute Offenbarung. Der wird gross, ich sag’s euch.
Ein Konzert, auf das ich mich mehr als nur gefreut habe, war jenes von Pongo. Pongo habe ich schon als Teenie gehört. Beim Fifa spielen mit meinem Bruder entdeckte ich ihren Song «Wegue Wegue», und der liess mich nicht mehr los. Dass ich sie Jahre später live an meinem Arbeitsplatz sehen darf, war mir damals nicht bewusst. Umso mehr freute ich mich – und das zu Recht. Es war ein Konzert, bei dem alles, was sich bewegen konnte, sich auch bewegte. Zudem war ihre Supportband Fidiju Kitxora eine Neuentdeckung, die mich sowas von überzeugte, dass ihr Album nun bei mir im Regal steht.
Und auch mein letztes Highlight hat etwas mit Nostalgie zu tun. Dub Spencer & Trance Hill haben mich früh begeistert, vor allem wegen dem Namen. Ich habe in Baden mal ein Plakat von einer ihrer Shows geklaut und hing es voller Stolz in mein Kinderzimmer. An ein Konzert von ihnen habe ich es aber nie geschafft. Als ich hörte, dass sie bei uns spielen, habe ich mir gleich den Abenddienst unter den Nagel gerissen, damit ich sie sicher nicht verpasse – und auch, damit ich sie persönlich kennenlernen darf. Als Dub-Fan war ich mehr als nur begeistert von ihrer Show, auch weil das Konzert von Umberto Echo (ebenfalls ein toller Name) live in Surroundsound gemixt wurde.

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