Dem Jazz von morgen eine Bühne bieten

Marian Märki01-29-20263 min. Lesedauer

Jazz ist global – und doch führt der Musikstil in der kleinen Schweiz oft ein Nischendasein. Für junge Schweizer Jazzformationen ist es deshalb nicht leicht, Auftrittsmöglichkeiten zu finden und ihr Schaffen sichtbar zu machen. Genau hier setzt Suisse Diagonales Jazz an.

Alle zwei Jahre fördert der Verein Suisse Diagonales Jazz (SDJ) den jungen Schweizer Jazz mit einer landesweiten Konzertreihe. Im Januar und Februar 2026 spielen zehn aufstrebende Formationen aus allen Sprachregionen insgesamt 65 Konzerte bei 30 Veranstaltern, darunter ist auch das Moods. Dank des grossen Netzwerks von SDJ erhalten die Bands, deren Mitglieder im Schnitt unter 30 Jahre alt sind, die Chance, ausserhalb ihrer eigenen Sprachregion aufzutreten und sich nachhaltig in der Schweizer Jazzszene zu positionieren.Doch was steckt hinter SDJ? Darüber haben wir mit Yunus Durrer, Moods-Booker und Vorstandsmitglied von SDJ, gesprochen.Yunus, was ist SDJ überhaupt?
Wir sind der Dachverband der nicht gewinnorientierten Schweizer Veranstalter im Bereich des zeitgenössischen Jazz. Gemeinsam, damit meine ich Veranstaltende, Musiker*innen und Bands von Genf bis Romanshorn, wollen wir unseren Anliegen Gehör verschaffen. In einem kleinen Land mit vier Sprachregionen und unterschiedlichen Zugängen zum Jazz ist es nicht einfach, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Unser Ziel ist es, aufstrebenden Künstlerinnen eine Plattform zu bieten, damit auch die internationale Szene auf sie aufmerksam wird. Wir sind überzeugt, dass wir das nur gemeinsam erreichen.

Wie macht ihr das?

Einerseits machen wir als Verband auf die Herausforderungen aufmerksam, denen wir begegnen, und suchen gemeinsam nach Lösungen. Wir treten nach aussen als eine Stimme auf und beraten unsere Mitglieder etwa bei Fragen zur Preisgestaltung, beim Fundraising oder bei arbeitsrechtlichen Themen für Musiker*innen.

Andererseits organisieren wir alle zwei Jahre das Festival SDJ, bei dem in allen Mitglieds-Venues Konzerte stattfinden. Damit wollen wir die Sprachregionen verbinden, Synergien schaffen und natürlich die Musik in den Mittelpunkt stellen. Die teilnehmenden Bands werden von uns sorgfältig ausgewählt und gelten als vielversprechende Stimmen der Zukunft.

Gibt es Beispiele, bei denen das bereits funktioniert hat?

In jeder Ausgabe findet sich mindestens ein Act, der die europäische Szene prägt oder sich zumindest Gehör verschafft hat – sei es als Band oder als einzelne Musiker*in. Andrina Bollinger, Arthur Hnatek, Florian Favre, Marie Krüttli oder Lea Marie Fries standen alle schon im SDJ-Line-up und spielen heute auf renommierten Jazzbühnen weltweit. Und das sind nur einige Beispiele. Die Reihe existiert inzwischen seit über 25 Jahren.

Wie werden die Bands ausgewählt?

Alle Verbandsmitglieder können Bands und Musiker*innen vorschlagen. Aus diesen Vorschlägen wählt der Vorstand die Teilnehmenden aus. Uns ist wichtig, die gesamte Bandbreite des jungen, zeitgenössischen Schweizer Jazz abzubilden und die Auswahl ausgewogen über die Sprachregionen zu verteilen. Wir wollen also nicht zehn Pianotrios aus Obwalden – auch wenn sie gut wären und meine Grosseltern in Kerns sie lieben würden – sondern ebenso das experimentell-elektronische Quintett aus Lausanne oder das Hackbrett-Duo aus dem Bergell.

Und was bringt das den Bands? Nur ein einzelner Gig?

Nein, es ist weit mehr. Die Bands spielen nicht nur ein Konzert, sondern eine ganze Tournee mit mehreren Shows in Clubs in der ganzen Schweiz. Zusätzlich profitieren sie von Coaching und Mentoring aus dem SDJ-Netzwerk. Sie können selbst Schwerpunkte setzen und erhalten Unterstützung, um ihre Musik schweizweit zu etablieren und ein Sprungbrett für nationale wie internationale Bühnen zu bekommen.

Und was hast du als Booker davon?

Sehr viel. Ich sehe, wie die Musik, die ich liebe, weiterlebt und von jungen Menschen weiterentwickelt wird. Ich entdecke Bands und Klänge, die mir vorher unbekannt waren. Die einzige Konstante im Jazz ist die Veränderung. Die SDJ-Reihe ist für mich wie ein Jazzgletscher, der langsam schmilzt und immer neue Schätze freilegt. Manche geraten in Vergessenheit, manche hat man noch nie gehört – aber sie waren immer da und werden es hoffentlich auch bleiben.

Suisse Diagonales Jazz im Moods

  • Espuma Antigua

    • Jazz Modern Creative
    • Pop / Rock / Singer / Songwriter
    • Vocal Jazz
    • Modern Creative Jazz
    • Indie
  • Sara El Hachimi Quintet

    • Jazz
    • Pop / Rock / Singer / Songwriter
    • Jazz Modern Creative
    • Spiritual Jazz
    • Indie
    • Art Pop
  • Suisse Diagonales Jazz

    • AS IN PLASTIC

      JazzPop / Rock / Singer / SongwriterIndieRockArt Pop